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FFF | Pérez Siquier – Die Schattierungen des Lebens …

Beitrag von Hans-Joachim Kirschenbauer, Bad Vilbel

Dem Fotografie Forum Frankfurt (FFF) ist es gelungen, mit dieser Retrospektive eine wirklich beeindruckende Fotoausstellung erstmalig in Deutschland zu arrangieren und zu präsentieren.

Der Spanier Pérez Siquier ist einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der fotografischen Moderne. Das FFF zeigt 130 Fotos in sieben Sequenzen des 1930 in Almeria geborenen und 2021 in seiner Heimatstadt verstorbenen Künstlers.

Es ist aus meiner persönlichen Sicht ein Highlight nicht nur für Freunde der Fotografie, sondern es ist eine Bereicherung für jeden Menschen, der sich emotional und interessiert mit künstlerischen Objekten beschäftigt; für mich persönlich eine der besten Ausstellungen in den letzten Jahren in Deutschland.

Die Ausstellung ist noch bis zum 15.01.2023 im Fotografie Forum Frankfurt (Braubachstraße 30-32) zu sehen. Weitere Infos www.fffrankfurt.org.

Die Schattierungen des Lebens von einem Ort aus …

Almeria, im Süden von Spanien gelegen, mag für manche Menschen weder der Nabel der Welt noch ein städtisches Kleinod sein. Für den Fotografen Pérez Siquier war es der Lebensmittelpunkt, den er nur selten verließ, da er davon überzeugt war, auch in dieser Stadt sind alle Nuancen der Menschheit fotografisch festzuhalten und bildlich darzustellen.

In seiner künstlerischen Arbeit war er oft seiner Zeit voraus. Teilweise blieben Aufnahmen 20 Jahre im Karton archiviert, bevor sie erstmals an die Öffentlichkeit gelangten. Zum Beispiel waren nach seiner Einschätzung Bilder von mehr oder weniger bekleideten Menschen am Strand aus der Zeit um 1973 herum zu diesem Zeitpunkt in Spanien nicht zu zeigen. Er bewies damit neben seinem künstlerischen Blick auch ein Gespür für den richtigen Zeitpunkt, um Themen zu platzieren. Die 1956 begonnene legendäre Serie „La Chanca (1956 – 1962 schwarz/weiß)“, einem gleichnamigen Viertel in Almeria, das hauptsächlich von Randgruppen der Gesellschaft bewohnt wurde, gibt bereits einen Vorgeschmack seines Blickes für Details verbunden mit einem warmen und feinsinnigen Humor.

In einer weiteren Sequenz einige Zeit später wechselt Pérez Siquier zu Farbaufnahmen aus La Chanca. „Das Leben ist bunt und nicht nur schwarz/weiß“ war sein Kommentar dazu.

Meine persönlichen Favoriten sind die Fotos der Sequenz „Informales (1965)“. Die Stadtverwaltung von Almeria hatte Sanierungsmaßnahmen in dem Viertel La Chanca beschlossen. Viele Gebäude wurden abgerissen oder von Grund auf saniert. Dabei wurden Innenwände und Strukturen sichtbar, die durch die Sanierungsmaßnahmen erst erkennbar wurden und danach auch nicht mehr vorhanden sind. Ein ästhetisches Konzept mit sozialem Hintergrund zeigt isolierte Wandfragmente, die an die abstrakte Malerei und an Collagen erinnern. Farbenfroh und formal gewaltig. Gloria zeigte mir fast in jedem Bild eine auf den ersten Blick nicht wahrnehmbare Landkarte, die europäische Strukturen und Grenzen beinhaltet. Sekundärinformationen, die den Fotos einen noch bedeutenderen Inhalt verleihen.

In einem viel zu kurzen Kontakt mit der sympathischen und überaus reizenden Tochter Gloria war ebenfalls zu erfahren, dass ihr Vater sich über Rückmeldungen und Interpretationen seiner Bilder sehr freute, er aber selbst es lebenslang vermied, seine eigenen Bilder zu erklären. In der Serie „Der Strand (1972 – 1980) wird in einer erotischen Aufnahme eine Frau im Badeanzug gezeigt. Ihr Gesicht ist nicht erkennbar. Gloria verriet das Geheimnis … es ist ihre Mutter. Solche privaten und persönlichen Informationen waren aus erster Hand bei der Eröffnung der Ausstellung durch die beiden anwesenden Töchter Sonia und Gloria zu erfahren.

Ein Höhepunkt war die kurzweilige Führung durch den anwesenden Kurator Carlos Martin, der bereits große Erfolge durch die Ausstellungen in Madrid und vor allem in Barcelona erlebte.

Frau Celina Lunsford, Kuratorin und künstlerische Leiterin des FFF ergänzte aus ihrer Arbeit. Frau Sabine Seitz (Geschäftsführerin FFF) und Frau Sabine Königs (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit FFF) begrüßten die Gäste und die Pressevertreter und führten durch die Eröffnung.

FFF: Elina Brotherus – In Reference to a Sunny Place

Elina Brotherus ist in Finnland geboren und lebt heute in Finnland und Frankreich. Sie ist eine der bedeutendsten europäischen Fotokünstlerinnen, deren Werke in vielen Museen vertreten sind, u. a. im Centre Pompidou, Paris; Kiasma Museum of Contemporary Art, Helsinki; Moderna Museet, Stockholm; Museum Folkwang, Essen; Kunststiftung DZ Bank, Frankfurt am Main; Vehbi Koç Foundation, Istanbul und MAXXI, Rom.

Häufig ist sie Fotografin und Model gleichzeitig. Sie arrangiert eine Szenerie und fotografiert sich mit Selbstauslöser, dabei ist sie oft von hinten zu sehen. Sie will den Blick des Betrachters nicht auf sich sondern auf das Motiv lenken. Sie lässt sich von anderen Künstlern inspirieren und setzt deren Bildideen in ihrem eigenen Stil um. Anfangs hat sie sich mit der Romantik auseinandergesetzt. Nachdem sie alle möglichen Varianten erprobt hat, war Fluxus eine neue Herausforderung. Mit diesen »Sinnlosen« Bildern lebt sie ihr kreatives Potenzial intensiv aus.

Elina Brotherus ist eine große Inspirations-Quelle: für neue Sichten offen sein und früh morgens aufstehen, um stimmungsvolle Bilder zu schaffen.

Die Bilder sind bis 18. September im FFF zu sehen (Führungen siehe Website). Am Samstag, 10.9.2022, 15:00 Uhr, wird Elina Brotherus mit Celina Lunsford ein Galeriegespräch im FFF Fotografie Forum Frankfurt führen. Eine gute Gelegenheit, sie persönlich zu treffen.

 

10. Festival junger Talente 2022 | Frankfurter Kunstverein

80 Künstler_innen haben 19 hochschulübergreifend interdisziplinäre, experimentelle und performative Projekte realisiert. Beteiligt waren sieben Kunstinstitute des Rhein-Main-Gebiets,  federführend die Hochschule für Gestaltung in Offenbach.

Vom 6. – 15. Mai 2022 (Eröffnung: 5.5., 19:00 Uhr) werden die Werke im Frankfurter Kunstverein gezeigt. Da viele Projekte performant angelegt sind, ist es sinnvoll, das auf der Website gezeigte Programm zu beachten.

Zuffällige Auswahl aus 19 Werken:

Diese »Macher« des Festivals konnte ich vor die Kamera bekommen:

Schirn | Walk | Gehen als Kunst

Gehen ist normalerweise selbstverständlich, alltäglich. Wir sind unbewusst zu Fuß unterwegs, ohne darüber nachzudenken.

Die global besetzte Ausstellung WALK in der Frankfurter Schirn Kunsthalle zeigt uns, dass Gehen ein vielschichtiges, komplexes, philosophisches Ereignis ist. Die 40 Künstler beschäftigen sich u. a. mit Gehen als gesellschaftlichem Phänomen, mit der Verbindung Mensch und Raum, reflektieren Themen wie Globalisierung, Migration und Klimawandel.
Kuratoren der Ausstellung sind Dr. Fiona Hesse und Matthias Ulrich.

Ergänzend zur Ausstellung finden – auch im öffentlichen Raum – (Mitmach-)Veranstaltungen statt (Programm auf der Website).

Die Ausstellung lädt ein zum Mitdenken und Mitmachen. Sie kann bis 22. Mai 2022 besucht werden.

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Fotografie Forum Frankfurt FFF | Torben Eskerod: Findings (aus 30 Jahren)

Das FFF zeigt bis 6. März 2022 Werk-Serien des dänischen Fotokünstler Torben Eskerod (* 1960). Die spannende Ausstellung wurde von Alison Nordström (USA) kuratiert und umfasst Werke der letzten 30 Jahre. Schwergewicht seiner Arbeiten sind Portraits von Lebenden und Toten, aber auch von deren Abbildern, ebenso Landschaft und Architektur. Dabei versucht er,  das Unsichtbare »sichtbar« zu machen, hinter die Oberfläche zu sehen. Häufig thematisiert er Vergängliches.

 

Das FFF – gegründet 1984 – ist die herausragende, international beachtete Vereinigung zur Förderung des Mediums Fotografie. Außergewöhnliche Ausstellungen, Workshops und Vorträge mit kompetenten Fotografen unterstützen diese Ziele. Bei Symposien wie RAY koordiniert es die vielen weiteren Einrichtungen im Rhein-Main-Gebiet mit fotografischen Sammlungen.

 

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Die Intelligenz der Pflanzen – Wissenschaft und Kunst

Wir erfreuen uns am Anblick zarter, farbiger Blumen, gewaltiger Bäume, ärgern uns über dynamisch wachsende Wildkräuter am falschen Platz. Dabei ist uns nicht bewusst, dass wir nur einen Teil der Pflanzen wahrnehmen und auch nicht erkennen, dass wir Teil einer gemeinsamen Welt sind.

Etliche Mythen wollen zwar vermitteln Pflanzen hätten intelligenz, Persönlichkeit, Gefühle, … Im Lichte der Wissenschaft konnten diese dem Menschen zugeschriebenen Attribute bisher nicht bestehen. Seit einigen Jahren gibt es Ansätze, die »hidden half«, die bisher kaum beachteten, weil nicht sichtbaren Teile unter der Erde, systematisch zu erforschen. Wie reagieren Pflanzen auf ihre Umgebung wie Wasser, Wärme, Erde, Nährstoffe? Wenn Intelligenz u. a. bedeutet, auf Veränderungen der Umgebung zu reagieren, lässt sich bei Pflanzen diese Intelligenz beobachten.

Franziska Nori, der Leiterin des Frankfurter Kunstvereins, ist es gelungen, dieses spannende Thema in der Ausstellung zu kuratieren. Wissenschaftliche Erkenntnisse und sehr unterschiedliche künstlerische Arbeiten regen zum Nachdenken über uns und unsere Rolle auf dieser Welt an.

Forschung

Pflanzensoziologisches Institut Klagenfurt (nun Bad Goisern): seit den 1960er Jahren betreibt es  Wurzelforschung. Wurzelsysteme wurden ausgegraben und dokumentiert. So hat man u. a. festgestellt, dass der Herbst-Löwenzahn über 5 m lange Wurzeln entwickelt.
Forschungszentrum Jülich – Institut für Pflanzenwissenschaften:
Durch automatisierte Messmethoden werden Reaktionen wie Wachstum, z. B. Wurzellänge, Anzahl von Seitenwurzeln und Verzweigungswinkel dokumentiert. Dabei werden veränderte Umweltbedingung simuliert.

Kunst

Diana Scherer: lebende Bodenskulpturen
Thomas Feuerstein: Rauminstallation Hydra
Künstlerkollektiv Marshmallow Laser Feast: mit VR-Brille ins Innere eines Baums
Nicola Toffolini: Tuschebilder mit vielen kleinen Strichen
Abel Rodriguez: Wissenstransfer alter Erfahrung und Überlieferung
Berlinde De Bruyckere: alte vom Sturm entwurzelte Eichenstämme

Rembrandt + Paula Modersohn-Becker

Zur Zeit werden in Frankfurt Werke zweier herausragender Künstler-Persönlichkeiten gezeigt, die trotz großer Unterschiede doch überraschende Ähnlichkeiten haben. Es lohnt sich, die Rembrandt-Ausstellung im Städel (bis 30.1.2022) und die Werke von Paula Modersohn-Becker in der Schirn zu besuchen (bis 6.2.2022) .

Rembrandt lebte von 1606 – 1669, Modersohn-Becker ca. 250 Jahre später (1876 – 1907). Er malte im Barock, sie war auf dem Weg in die Moderne. Er war ein bereits zu Lebzeiten erfolgreicher Künstler. Ihr Weg zum Weltruhm begann erst nach ihrem Tod. Gemeinsam ist Beiden, dass sie eigene neue Wege beschritten, ihr Publikum provozierten und sich über gängige Konventionen hinwegsetzten, »merkwürdige« Bilder malten (Modersohn-Becker).
Für das Smartphone können Apps zum Rundgang von den jeweiligen Websites heruntergeladen werden (Kopfhörer nicht vergessen!). Empfehlenswert ist auch das umfangreiche begleitende Vermittlungsprogramm wie Führungen.

Nennt mich Rembrandt! Durchbruch in Amsterdam

Der junge Leidener Künstler Rembrandt musste sich in der dynamischen, reichen Stadt Amsterdam gegen viele sehr gute und etablierte Kollegen durchsetzen. Er schaffte es durch ein innovatives »Marketing« und vor allem seine außergewöhnliche Maltechnik. Sowohl Bildaufbau als auch sein Spiel mit Licht und Schatten hoben ihn deutlich von den anderen ab. In der Ausstellung kann man das gut erkennen. Viele seiner Bilder werden ergänzt durch vergleichbare Werke anderer Künstler.

Eines seiner brutalsten Bilder, »Die Blendung des Simson«, ist auf den ersten Blick einfach schockierend. Da es sich nicht um eine Auftragsarbeit handelt, stellt sich die Frage, warum er dieses Thema in dieser Art gemalt hat. Was sind die Hintergründe? Ein vierteiliger Podcast vermittelt erhellende Einsichten.

 

Paula Modersohn-Becker

Sie hat in ca. 10 Jahren über 700 Gemälde und 1500 Arbeiten auf Papier geschaffen und dabei der »Moderne« entscheidende Impulse gegeben. Zu Lebzeiten hat sie nur wenige Werke verkaufen können. Ihr Malstil war in dieser Zeit zu »merkwüdig«. Inzwischen genießt sie Weltruhm.

Wesentliche Impulse für ihre Arbeit hat sie im Moordorf Worpswede (nahe Bremen) erhalten. Sie hat sich intensiv auf die ärmlichen, bäuerlichen Bewohner und die karge Landschaft eingelassen. Wichtig waren ihr auch Aufenthalte in Paris mit seiner inspirierenden Kunstszene.

Mit ihrem Hauptwerk »Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag« zeigt sie sich in damals schockierender Offenheit als Akt. Dieses Bild gilt heute als Ikone der Kunstgeschichte. Sie malt keine schönen sondern authentische Bilder, stark reduziert auf wesentliche Details wie z.B. »Kind an der Mutterbrust«.

 

Christopher Street Day | Botschaft mit Augenzwinkern

Mehr als 8000 Freundinnen und Freunde des CSD sind auf die Straße gegangen, um ihre Forderung »Vielfalt schützen per Gesetz. Nicht erst morgen, sondern jetzt!« zu betonen.

Etwas weniger bunt und nur zu Fuß haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihr ernstes Anliegen humorvoll verpackt, wie immer am CSD mit phantasievollen Kostümen.

And This is Us 2021 – internationale junge Künstler im Frankfurter Kunstverein

Alle zwei Jahre lädt der Frankfurter Kunstverein junge Künstlerinnen und Künstler ein, um ihnen eine wirksame Plattform für den Start ihrer Karriere zu geben. In diesem Jahr wurden aus ca. 100 Absolventen der Städelschule bzw. der HfG Offenbach neun ausgewählt. Sie konnten, unabhängig von thematischen Vorgaben, ihre eigenen Vorstellungen realisieren. Daraus entstand eine vielfältige, überraschende Show.

Die anderen konnten organisiert vom Kollektiv Magma Marie kleinere Kunstwerke einreichen, die wechselnd im Erdgeschoss zum Verkauf angeboten werden. Der Erlös geht zu 100 % an die Artisten.

Ich versuche hier die komplexen Arbeiten der Ausstellung kurz vorzustellen. Grundlage ist der Presse-Text von Franziska Nori (Leiterin des FKV und Kuratorin). Viele wichtige Gedanken gehen dabei natürlich verloren. Für einen Besuch sollte angemessene Zeit eingeplant werden, um alle Werke in ihrer Tiefe ergründen zu können.

Max Brück beschäftigt sich mit dem Kreislauf bei der Veränderung einer Stadt – hier am Beispiel des technischen Rathauses, das bis 2012 abgerissen und durch die neue Altstadt ersetzt wurde. Die ausgestellten Steine stammen von diesem Bauwerk und bewegen sich symbolisch im Kreislauf.

Max Brück, Kreislauf 2021 | Ausstellungsansicht Frankfurter Kunstverein 2021
Photographer: Norbert Miguletz | ©Frankfurter Kunstverein | Courtesy: the artist

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Saya Schulzen:
Sie will mit ihren Arbeiten zu verändertem Denken über unsere Beziehungen zur Natur anregen. Alle Lebewesen sind miteinander verbunden und voneinander abhängig.

 

Agnese Galiotto: Miracoli (Wunder)
In ihrem Video verarbeitet sie das Leben ihrer Mutter Claudia, die durch die Betreuung ihres behinderten Bruders stark belastet ist. Der Glaube an seine Heilung durch Pilgerreisen nach Lourdes und ihre Teilnahme an Radmarathons hilft ihr bei der Bewältigung.
Ergänzt wird der Bildraum des Films durch winterliche Baumsilhouetten am Fenster und an der Wand.

 

Michelle Harder – Exuvie (leere Hülle einer Insektenhäutung)
Das Werk zeigt ihre Häutung, vom Gipsabdruck ihres Körpers zum leeren Lehmkorpus.

Valentina Knežević: Yurval (Yurin Gagarin und Valentina Tereshkova)
Sie verarbeitet in ihrem Film die Besiedlung ferner Welten und die dafür notwendige technische Anpassung des Menschen. Was ist dann noch Mensch?

 

Faina Yunusova: SugarMacht
Verändern Influencer ihre Follower oder werden Influencer durch die Rollenerwartung in ihrem Verhalten beeinflusst? Auf Instagram ist unter #sugarmacht ein Video zu sehen.

Isabell Ratzinger: And This is the Rest
Den Titel der Ausstellung »And this is Us« ergänzt sie mit »And This is the Rest«. Kaugummis, eingepackte und benutzte repräsentieren Jugendliche mit ihrer passiven Rebellion. Ihre Werke sind Reflektoren, eine Sitzbank, funktionsfähige Waffen aus Haushaltsgeräten. An der Wand sind Silhouetten abwesender Menschen aus gebrauchten Kaugummis angedeutet.

 

Matt Welch: The Secret Millionaire Part 2 | Sense of Doubt (Gefühl des Zweifels)
In einem Wohnraum im airbnb-Stil erklingt Musik aus den Alben Low und Heroes von David Bowie. Im daneben liegenden Schlafraum läuft sein Video. Es zeigt Erinnerungen an seinen Aufenthalt in Berlin und Erzählungen eines Freundes, der 1984 aus der DDR geflohen ist. Die Kamera gleitet durch einen roten, nassen, wunden Tunnel (der real im Studio des Künstlers existiert), als Speiseröhe, Abwasserkanal. Es ist der Übergang zwischen Außenwelt und dem Inneren.

Gintarė Sokelytė: Selfnoid
In einem 3-Kanal-Video agieren zwei Frauen zueinander, getrennt von einer Glasscheibe. Eine ist ein menschlich wirkender Roboter mit künstlicher Intelligenz. Die Frau in weiß bewegt sich dynamisch und versucht, sich und die Frau hinter der Glasscheibe zu erkunden. Zwischen den Leinwänden sind Gipsskulpturen kopfloser, extrem verformte Wesen an der Wand zu erkennen.
Ihre zentrale Frage ist: Wie sichtbar sind geistige Zustände auf körperlicher Materie?

 

Gintarė Sokelytė im Atelier vor der Skulpturenserie Selfnoid 2021
©Frankfurter Kunstverein