Archiv der Kategorie: 102 Innenstadt

Christopher Street Day | Botschaft mit Augenzwinkern

Mehr als 8000 Freundinnen und Freunde des CSD sind auf die Straße gegangen, um ihre Forderung »Vielfalt schützen per Gesetz. Nicht erst morgen, sondern jetzt!« zu betonen.

Etwas weniger bunt und nur zu Fuß haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihr ernstes Anliegen humorvoll verpackt, wie immer am CSD mit phantasievollen Kostümen.

And This is Us 2021 – internationale junge Künstler im Frankfurter Kunstverein

Alle zwei Jahre lädt der Frankfurter Kunstverein junge Künstlerinnen und Künstler ein, um ihnen eine wirksame Plattform für den Start ihrer Karriere zu geben. In diesem Jahr wurden aus ca. 100 Absolventen der Städelschule bzw. der HfG Offenbach neun ausgewählt. Sie konnten, unabhängig von thematischen Vorgaben, ihre eigenen Vorstellungen realisieren. Daraus entstand eine vielfältige, überraschende Show.

Die anderen konnten organisiert vom Kollektiv Magma Marie kleinere Kunstwerke einreichen, die wechselnd im Erdgeschoss zum Verkauf angeboten werden. Der Erlös geht zu 100 % an die Artisten.

Ich versuche hier die komplexen Arbeiten der Ausstellung kurz vorzustellen. Grundlage ist der Presse-Text von Franziska Nori (Leiterin des FKV und Kuratorin). Viele wichtige Gedanken gehen dabei natürlich verloren. Für einen Besuch sollte angemessene Zeit eingeplant werden, um alle Werke in ihrer Tiefe ergründen zu können.

Max Brück beschäftigt sich mit dem Kreislauf bei der Veränderung einer Stadt – hier am Beispiel des technischen Rathauses, das bis 2012 abgerissen und durch die neue Altstadt ersetzt wurde. Die ausgestellten Steine stammen von diesem Bauwerk und bewegen sich symbolisch im Kreislauf.

Max Brück, Kreislauf 2021 | Ausstellungsansicht Frankfurter Kunstverein 2021
Photographer: Norbert Miguletz | ©Frankfurter Kunstverein | Courtesy: the artist

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Saya Schulzen:
Sie will mit ihren Arbeiten zu verändertem Denken über unsere Beziehungen zur Natur anregen. Alle Lebewesen sind miteinander verbunden und voneinander abhängig.

 

Agnese Galiotto: Miracoli (Wunder)
In ihrem Video verarbeitet sie das Leben ihrer Mutter Claudia, die durch die Betreuung ihres behinderten Bruders stark belastet ist. Der Glaube an seine Heilung durch Pilgerreisen nach Lourdes und ihre Teilnahme an Radmarathons hilft ihr bei der Bewältigung.
Ergänzt wird der Bildraum des Films durch winterliche Baumsilhouetten am Fenster und an der Wand.

 

Michelle Harder – Exuvie (leere Hülle einer Insektenhäutung)
Das Werk zeigt ihre Häutung, vom Gipsabdruck ihres Körpers zum leeren Lehmkorpus.

Valentina Knežević: Yurval (Yurin Gagarin und Valentina Tereshkova)
Sie verarbeitet in ihrem Film die Besiedlung ferner Welten und die dafür notwendige technische Anpassung des Menschen. Was ist dann noch Mensch?

 

Faina Yunusova: SugarMacht
Verändern Influencer ihre Follower oder werden Influencer durch die Rollenerwartung in ihrem Verhalten beeinflusst? Auf Instagram ist unter #sugarmacht ein Video zu sehen.

Isabell Ratzinger: And This is the Rest
Den Titel der Ausstellung »And this is Us« ergänzt sie mit »And This is the Rest«. Kaugummis, eingepackte und benutzte repräsentieren Jugendliche mit ihrer passiven Rebellion. Ihre Werke sind Reflektoren, eine Sitzbank, funktionsfähige Waffen aus Haushaltsgeräten. An der Wand sind Silhouetten abwesender Menschen aus gebrauchten Kaugummis angedeutet.

 

Matt Welch: The Secret Millionaire Part 2 | Sense of Doubt (Gefühl des Zweifels)
In einem Wohnraum im airbnb-Stil erklingt Musik aus den Alben Low und Heroes von David Bowie. Im daneben liegenden Schlafraum läuft sein Video. Es zeigt Erinnerungen an seinen Aufenthalt in Berlin und Erzählungen eines Freundes, der 1984 aus der DDR geflohen ist. Die Kamera gleitet durch einen roten, nassen, wunden Tunnel (der real im Studio des Künstlers existiert), als Speiseröhe, Abwasserkanal. Es ist der Übergang zwischen Außenwelt und dem Inneren.

Gintarė Sokelytė: Selfnoid
In einem 3-Kanal-Video agieren zwei Frauen zueinander, getrennt von einer Glasscheibe. Eine ist ein menschlich wirkender Roboter mit künstlicher Intelligenz. Die Frau in weiß bewegt sich dynamisch und versucht, sich und die Frau hinter der Glasscheibe zu erkunden. Zwischen den Leinwänden sind Gipsskulpturen kopfloser, extrem verformte Wesen an der Wand zu erkennen.
Ihre zentrale Frage ist: Wie sichtbar sind geistige Zustände auf körperlicher Materie?

 

Gintarė Sokelytė im Atelier vor der Skulpturenserie Selfnoid 2021
©Frankfurter Kunstverein

 

Schirn | Iranische Kunst | komplex und unbeschreiblich

Die Krisen der Welt werden von den iranischen Künstlern Ramin Haerizadeh, Rokni Haerizadeh und Hesam Rahmanian in diesem Gesamtkunstwerk thematisiert. Dabei werden sie stark von ihren eigenen unmittelbaren Erfahrungen getrieben. Die Ausstellung ist ein komplexes Kunstwerk verschiedener Medien: Performance, Malerei, Collage, Zeichnung, Videos und Texte,  entstanden als »Work in Progress«. Wobei die Drei viele andere Künstler einbeziehen. Es herrscht kulturelle Vielfalt des Orients, verbunden mit westlicher Popkultur. Manches erschließt sich nur, wenn man Hintergründe kennt. Der gut gemachte Katalog gibt zwar erste Eindrücke. Begreifen setzt intensive Beschäftigung in der Ausstellung voraus – ideal in Verbindung mit einer Führung.

Der Titel der Ausstellung »Either he’s dead, or my watch has stopped« ist ein Zitat von Groucho Marx aus dem Film Marx-Brothers. Es kann als roter Faden der Ausstellung verstanden werden.

Grundlage des Kunstwerks ist das raumfüllende Gemälde »O you People« das in Dubai, ihrem derzeitigen Wohnort, »gemalt« wurde. Mit fantastischen Malmaschinen wurden kreiselnde Strudel als Grundstruktur aufgetragen, die in einem folgenden Prozess mit Einzelthemen ergänzt wurden. Dieses große Bild darf betreten und erforscht werden. Es nimmt weitere Objekte auf.

Frankfurter Kunstverein – Trees of Life

Lebensbäume – oder Erzählungen für einen beschädigten Planeten.

Die Erde entstand vor ca. 4,5 Milliarden Jahren, der Mensch existiert seit 200.000 Jahren. In den letzten 200 Jahren griff er mit zunehmender Geschwindigkeit massiv in die Natur ein. Die Folgen am deutlichsten erkennbar: Erderwärmung, Umweltverschmutzung und Sterben von Arten. Für uns kaum sichtbar: Kleinstlebewesen wie Pilze, Bakterien, Algen sind besonders betroffen; mit gewaltigen Wirkungen für alle Arten der Erde – auch für uns Menschen. Sie machen 70 % der lebenden Biomasse aus. Dieser Bereich wird kaum wahrgenommen und ist kaum erforscht. Der Mensch als »Krone der Schöpfung« muss – auch im eigenen Interesse – Verantwortung für den Bestand der Natur übernehmen.

In der Ausstellung werden naturwissenschaftliche Exponate aus dem Senckenberg Naturmuseum durch unterschiedliche Positionen von vier Künstlern ergänzt. Sie wird kuratiert von Franziska Nori, Direktorin des Frankfurter Kunstvereins, und wissenschaftlich begleitet von Philipe Havlik (Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung).

Sonja Bäumel thematisiert die Besiedlung des Menschen durch Mikroorganismen.
Der Mensch bewirtet etwa so viele Mikroorganismen wie er Zellen besitzt. D. h. nur 50 % des Menschen sind körpereigene Zellen. Er ist eine Plattform für andere Lebewesen.

Edgar Honetschläger erkennt die Probleme der Natur und will deshalb als Künstler aktivistisch wirken. Er sucht Mitstreiter über die Organisation GoBugsGo für den Erwerb von Land, um es der Natur zu überlassen – als »NON HUMAN ZONE.

Die Künstler von Studio Drift zerlegen Alltagsgegenstände in ihre Bestandteile, bestimmen die Materialien und ihre Mengen und formen daraus Kuben in der Größe ihrer Anteile am Produkt.

Dominique Koch will mit ihrem 33-minütigen Film »Holobiont Society« gefestigte Denkmodelle zur Sonderstellung des Menschen anhand neuen Wissens kritisch hinterfragen.

Frankfurter Kunstverein – Empathische Systeme

Künstliche Systeme gehören für uns häufig zum Alltag. Denken wir an die Sprachcomputer der Service-Hotlines, Saugroboter, die Apps unserer Smartphones, Sprachsysteme wie Siri, Alexa …. Wir empfinden sie als nervig oder hilfreich, seltener als sympathisch, z. B. wenn wir unseren Helfern Namen geben. Gelegentlich machen sie uns Angst, besonders, wenn wir an Systeme mit künstlicher Intelligenz denken und deren Möglichkeit, uns zu belauschen. Ob wir wollen oder nicht – unsere Beziehungen zu diesen Systemen werden häufiger und deren Qualität immer besser.

Der Frankfurter Kunstverein hat die von drei Künstlern getragene Ausstellung »Empathische Systeme« gestaltet. Die Leiterin und Kuratorin Franziska Nori und ihr Team wollen uns damit Gelegenheit geben, neue Erfahrungen mit unseren Gefühlen im Umgang mit den verschiedenen Objekten zu sammeln.

Bei den Videos und Objekten von Yves Netzhammer gehen menschenähnliche Gestalten miteinader um – liebevoll, aber auch aggressiv. Sie bewegen sich im Raum und laden uns zum Betrachten ein.

Die von Theo Jansen aus Installations-Rohren geschaffenen künstlichen »Tiere« bewegen sich scheinbar autonom. Am Strand werden sie durch Windkraft über die großen Segel angetrieben. In der Ausstellung übernimmt das Pressluft, die zu bestimmten Zeiten »Umerus« zum Leben erweckt. Es ist schon etwas unheimlich, wenn ein riesiges »Tier« durch den großen Saal des Kunstvereins marschiert. Ein innigeres Verhältnis entsteht, wenn wir das kleinere »Tier« selbst bewegen.

Takayuki Todo konfrontiert uns mit der Computer-Puppe »Seer«, die Menschen in ihrer Nähe erkennt, Blickkontakt aufnimmt und versucht, die Mimik zu erwidern: Kopf neigen, Augenbrauen hochziehen, …

Ergänzung: Die Leiterin Franziska Nori erhielt am 15.6.2019 für die vielen vom Kunstverein konzipierten zukunftsorientierten Ausstellungen den Binding-Kulturpreis.

Junge Künstler im Frankfurter Kunstverein

Unter dem Titel »AND THIS IS US« versammelt der Frankfurter Kunstverein acht nationale und internationale Künstlerinnen und Künstler, die an der Städelschule in Frankfurt bzw. an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach studierten. Die meisten von ihnen ließen sich auch an Akademien in anderen Ländern inspirieren. Ihre Werke, die überwiegend für die Räume des Kunstvereins geschaffen wurden, könnten unterschiedlicher nicht sein und zeigen viele überraschende, innovative Ansätze. Der Kunstverein versteht sich dabei als Plattform aktueller Kunst und will begabten Künstlern Öffentlichkeit bieten – auch um ihnen in Frankfurt ein Gefühl von Heimat zu geben. Die Ausstellung ist bis 12.5.2019 zu sehen. Empfehlenswert ist auch das Begleitprogramm mit Künstlergesprächen und Führungen.

Die aufwändige Ausstellung war dem Verein nur möglich, weil sich neben der Stadt Frankfurt die Dr. Marschner Stiftung finanziell beteiligt hat.

 

Frankfurter Kunstverein – Zurück zum Grundsätzlichen

Unter dem Titel »Rückbindung an Welt« hat der FKV – kuratiert von Franziska Nori, der Direktorin des Kunstvereins – drei junge Künstler eingeladen, die in ihren Werken nach »existenziellen Grundparametern suchen, die unsere Verbundenheit mit einem übergeordneten Ganzen herstellen und neue Wege der Rückbindung an Natur und Welt aufzeigen. Sie formulieren ihr Werk im Umfeld eines historischen Moments, in dem der Mensch durch digitale Mittel von den Bedingungen, die Zeit und Raum stellen, zunehmend entkoppelt wird.« (Zitat FKV)

Diese Künstler stellen erstmals in Deutschland aus und sind

– der Marokkaner Hicham Berrada, dessen Bildwelten u. a. durch Reaktionen von organischen und chemischen Materialien entstehen
– die Amerikanerin Lucy Dodd, die u. a. mit natürlichen »Farbstoffen« abstrakte bzw. erzählerische Bilder malt und
– der Amerikaner Sam Falls, der Sonne und Regen für sich arbeiten lässt.

Zu sehen sind drei beeindruckende, gänzlich unterschiedliche Bilderwelten.

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Künstliche Intelligenz im Kunstverein

Wer schon immer wissen wollte was künstliche Intelligenz ist und wie sie funktioniert, hat bis 8.4.2018 die Chance, etwas reinzuschnuppern. In der Ausstellung »I am here to learn« im Frankfurter Kunstverein (Steinernes Haus) kann man an von Künstlern gestalteten Beispielen »selbst lernender Systeme« deren Wirkungsweisen erkennen. Nicht alles erschließt sich sofort, deshalb sollte man genügend Zeit mitbringen, um in Ruhe in die teilweise interaktiven Werke vorzudringen.

Die folgenden Bilder können die Komplexität künstlicher Intelligenz kaum verdeutlichen. Sie sollen nur Appetit auf mehr machen.

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Antagon auf dem Römerberg

Nacht der Museen. Direkt neben Justitia tauchen eigenartige Wesen auf, um mit »Zukunftserinnerungen« Denkanstöße zu geben.

»… mit verspielt-mythischen und feurig-dynamischen Momenten beschäftigt sich antagon  mit dem Wechselspiel von Tradition und Moderne – was bleibt bestehen in einer Zeit, in der das Leben immer schneller abläuft? Der historisch bedeutende Römer, der im Rahmen der Altstadt-Neustrukturierung selbst dem Wandel der Zeit unterliegt, ist der perfekte Ort auf der Suche nach Antworten.«

Aktueller Tipp: Vom 14. – 17.5.2016, 20:30 Uhr wird das Stück »Package« in der Antagonhalle, Ffm, Orberstr. 57 gespielt. Mit Anzügen »uniformierten« Menschen wird tänzerisch der Spiegel vorgehalten. Choreografie: Shusaku Takeuchi. Weitere Infos: antagon.de

Frankfurter Wallanlagen – Empfehlung: unbedingt besuchen

Jeder Frankfurter Autofahrer kennt den Anlagenring (Cityring) – als seltsam geformten Straßenzug. Viele wissen auch, dass diese Straßenführung historisch bedingt ist. Sie folgt den ehemaligen Wallanlagen, die bis ins 18. Jahrhundert Frankfurt vor Angreifern sichern sollten. Sie wurden durch die fortschreitende Militärtechnik überflüssig. Anfang des 19. Jh. wurden sie abgerissen und durch wunderbare private Gartenanlagen ersetzt. Viele reiche Frankfurter haben diese Flächen nach Vorgaben der Stadt aufwändig gestaltet. Sie reichten vom »Nizza« am Main im Westen bis zur alten Stadtbibliothek (jetzt Literaturhaus) im Osten. In der bis heute gültigen Wallservitut von 1827 wurde der Schutz dieser Anlagen festgeschrieben und bis auf wenige Ausnahmen (u.a. die Alte Oper) von der Politik bis heute durchgehalten, obwohl die Grundstücke in dieser Lage einen gewaltigen Wert darstellen. Bei leeren Kassen könnte man da schon schwach werden.

So konnte sich eine wunderbare Parkanlage entwickeln. Die ehemaligen Gärten gibt es natürlich in dieser Form nicht mehr, sind nur noch an einigen Stellen zu erahnen. Bei einer Führung durch Manfred und Gabriele Steyner vom »Freundeskreis Liebenswertes Frankfurt« konnten wir den westlichen Teil kennen lernen.

Start war am Eschenheimer Turm. Gleich daneben die erste Überraschung: Neben dem Hotel Fleming’s führt eine Treppenanlage nach unten in den »Bürgergarten« im Stil der Wallgärten des 19. Jh. (Rekonstruktion 1982) – eine Oase in Frankfurt mitten im Verkehrtslärm der Kreuzung Eschenheimer Anlage und Eschersheimer Landstraße.

Wir gingen nach Westen und trafen in der Bockenheimer Anlage auf das Nebbiensche Gartenhaus, 1810 gebaut für den Verleger Nebbien aus Anlass seiner dritten Hochzeit. Jetzt wird der Raum vom Frankfurter Künstelerclub mit einem abwechslungsreichen Programm genutzt.

Vielfältige Sichtachsen zeigen Natur, Kunst und Blicke auf das moderne Frankfurt.

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