And This is Us 2021 – internationale junge Künstler im Frankfurter Kunstverein

Alle zwei Jahre lädt der Frankfurter Kunstverein junge Künstlerinnen und Künstler ein, um ihnen eine wirksame Plattform für den Start ihrer Karriere zu geben. In diesem Jahr wurden aus ca. 100 Absolventen der Städelschule bzw. der HfG Offenbach neun ausgewählt. Sie konnten, unabhängig von thematischen Vorgaben, ihre eigenen Vorstellungen realisieren. Daraus entstand eine vielfältige, überraschende Show.

Die anderen konnten organisiert vom Kollektiv Magma Marie kleinere Kunstwerke einreichen, die wechselnd im Erdgeschoss zum Verkauf angeboten werden. Der Erlös geht zu 100 % an die Artisten.

Ich versuche hier die komplexen Arbeiten der Ausstellung kurz vorzustellen. Grundlage ist der Presse-Text von Franziska Nori (Leiterin des FKV und Kuratorin). Viele wichtige Gedanken gehen dabei natürlich verloren. Für einen Besuch sollte angemessene Zeit eingeplant werden, um alle Werke in ihrer Tiefe ergründen zu können.

Max Brück beschäftigt sich mit dem Kreislauf bei der Veränderung einer Stadt – hier am Beispiel des technischen Rathauses, das bis 2012 abgerissen und durch die neue Altstadt ersetzt wurde. Die ausgestellten Steine stammen von diesem Bauwerk und bewegen sich symbolisch im Kreislauf.

Max Brück, Kreislauf 2021 | Ausstellungsansicht Frankfurter Kunstverein 2021
Photographer: Norbert Miguletz | ©Frankfurter Kunstverein | Courtesy: the artist

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Saya Schulzen:
Sie will mit ihren Arbeiten zu verändertem Denken über unsere Beziehungen zur Natur anregen. Alle Lebewesen sind miteinander verbunden und voneinander abhängig.

 

Agnese Galiotto: Miracoli (Wunder)
In ihrem Video verarbeitet sie das Leben ihrer Mutter Claudia, die durch die Betreuung ihres behinderten Bruders stark belastet ist. Der Glaube an seine Heilung durch Pilgerreisen nach Lourdes und ihre Teilnahme an Radmarathons hilft ihr bei der Bewältigung.
Ergänzt wird der Bildraum des Films durch winterliche Baumsilhouetten am Fenster und an der Wand.

 

Michelle Harder – Exuvie (leere Hülle einer Insektenhäutung)
Das Werk zeigt ihre Häutung, vom Gipsabdruck ihres Körpers zum leeren Lehmkorpus.

Valentina Knežević: Yurval (Yurin Gagarin und Valentina Tereshkova)
Sie verarbeitet in ihrem Film die Besiedlung ferner Welten und die dafür notwendige technische Anpassung des Menschen. Was ist dann noch Mensch?

 

Faina Yunusova: SugarMacht
Verändern Influencer ihre Follower oder werden Influencer durch die Rollenerwartung in ihrem Verhalten beeinflusst? Auf Instagram ist unter #sugarmacht ein Video zu sehen.

Isabell Ratzinger: And This is the Rest
Den Titel der Ausstellung »And this is Us« ergänzt sie mit »And This is the Rest«. Kaugummis, eingepackte und benutzte repräsentieren Jugendliche mit ihrer passiven Rebellion. Ihre Werke sind Reflektoren, eine Sitzbank, funktionsfähige Waffen aus Haushaltsgeräten. An der Wand sind Silhouetten abwesender Menschen aus gebrauchten Kaugummis angedeutet.

 

Matt Welch: The Secret Millionaire Part 2 | Sense of Doubt (Gefühl des Zweifels)
In einem Wohnraum im airbnb-Stil erklingt Musik aus den Alben Low und Heroes von David Bowie. Im daneben liegenden Schlafraum läuft sein Video. Es zeigt Erinnerungen an seinen Aufenthalt in Berlin und Erzählungen eines Freundes, der 1984 aus der DDR geflohen ist. Die Kamera gleitet durch einen roten, nassen, wunden Tunnel (der real im Studio des Künstlers existiert), als Speiseröhe, Abwasserkanal. Es ist der Übergang zwischen Außenwelt und dem Inneren.

Gintarė Sokelytė: Selfnoid
In einem 3-Kanal-Video agieren zwei Frauen zueinander, getrennt von einer Glasscheibe. Eine ist ein menschlich wirkender Roboter mit künstlicher Intelligenz. Die Frau in weiß bewegt sich dynamisch und versucht, sich und die Frau hinter der Glasscheibe zu erkunden. Zwischen den Leinwänden sind Gipsskulpturen kopfloser, extrem verformte Wesen an der Wand zu erkennen.
Ihre zentrale Frage ist: Wie sichtbar sind geistige Zustände auf körperlicher Materie?

 

Gintarė Sokelytė im Atelier vor der Skulpturenserie Selfnoid 2021
©Frankfurter Kunstverein

 

Heiligenberg (Jugenheim) – Netzwerk europäischen Adels

Schloss Heiligenberg (erbaut 1813) wurde von 1827 bis 1920 von Familienmitgliedern des Hauses Hessen-Darmstadt genutzt.
Durch vielfältige verwandtschaftliche Beziehungen gab es auf dem Heilingenberg einen regen Besuchsverkehr des europäischen Adels.

Prinz Philip, Ehemann von Königin Elisabeth II., war Enkel von Ludwig Prinz von Battenberg (ab 1917 Mountbatten) | Alix von Hessen-Darmstadt (Tochter von Großherzog Ludwig IV.) war mit Zar Nikolaus II. verheiratet | Auch Königin Sophie von Spanien hat hessische Wurzeln.

Zum Schloss geht es in Seeheim-Jugenheim am Ender der Alexanderstr. halbrechts durch das Eingangstor des Heiligenbergs. Nach ca. einen Kilometer ist das Schloss mit Parkplatz erreicht. Der Landschaftspark mit vielen seltenen Pflanzen und das Schloss können von außen besichtigt werden. Nach Corona öffnet vermutlich wieder Annettes Gastronomie. Die von der Stiftung angebotenen Führungen sind auch empfehlenswert und geben den Blick frei in sonst geschlossene Räume bzw. Gebäude.

In der HR-Mediathek kann bis April 2022 mit dem Suchbegriff »Battenberg« ein informativer Film über die verwandtschaftlichen hessischen Beziehungen von »Prinz Philip von Mountbatten« angesehen werden.

Weltkulturen Museum | Grüner Himmel – Blaues Gras

Weißes Licht enthält alle Farben, die wir abhängig vom Untergrund und Wetter unterschiedlich sehen. Diese Farbwahrnehmung ist für alle Menschen grundsätzlich gleich.
Trotzdem haben sich deren Bedeutung und Interpretation auf der Welt unterschiedlich entwickelt.

So kann z. B. die Trauerfarbe schwarz, weiß oder beeindruckend bunt sein.

In der aktuellen Ausstellung »Grüner Himmel – Blaues Gras« zeigt das Museum Exponate aus seiner gewaltigen Sammlung, um kulturelle Unterschiede zu verdeutlichen.

Coronabedingt können die Exponate noch nicht bei einem Besuch besichtigt werden. Es gibt allerdings virtuelle Angebote z. B. am Donnerstag, 22. April 2021 von 19:30 bis 20:30 Uhr (kostenlose Führung – mit Anmeldung: »weltkulturen.bildung@stadt-frankfurt.de«)

Burgholzhausen | auch ohne Burg sehenswert

Seit 1971 wohnen wir im Rhein-Main-Gebiet und haben bis heute gebraucht, um Burgholzhausen zu entdecken. Vermutlich liegt es einfach zu nah an Bad Vilbel. Burgholzhausen ist für uns eine überraschende Erfahrung. Der alte Ortskern rund um »Alt Burgholzhausen« [2] wurde in den letzten Jahren von den Bewohnern liebevoll restauriert und spannende Bauwerke herausgeputzt. Leider konnten wir wegen Corona die Gastronomie noch nicht genießen.

Besondere Schmuckstücke sind das ehemalige älteste Gasthaus »Zur Güldenen Cron« und gleich gegenüber das »Alte Rathaus« [3], das vom

Altes Rathaus

 

Verein »Altes Rathaus – Burgholzhausen« seit 2005 mit großem zeitlichen und finanziellen Aufwand innen und außen als Treffpunkt für Bürger hergerichtet wurde. Man kann dort heiraten, Kunst genießen und an den Wochenenden bei Kaffee und Kuchen entspannen.

 

Nach dem Erwerb der Gemeinde 1702 durch den Mainzer Kurfürsten Franz Adolf Dietrich von Ingelheim versuchte dieser, seine neuen Bürger von seinem Glauben zu »überzeugen« und wollte die alte evangelische Kirche abreißen. Der Widerstand war so groß, dass er 1716 die kleine Barockkirche [1] bauen ließ.

Die evangelische Gemeinde durfte ein neues, größeres Gotteshaus [3] errichten. Beide Kirchen wurden fast zeitgleich vom Darmstädter Architekten Johann Wilhelm Detier ausgeführt. Man kann deutlich die unterschiedlichen Ansichten der Glaubensgemeinschaften zur Kirchenarchitektur erkennen: evangelisch einfach zu katholisch opulent.

 

 

Ein Verein ragt in der Burgholzhausener Kulturlandschaft besonders heraus. Die »Burgspielschar« [5] erarbeitet seit 1947 fast jährlich ein Sommer- und Winterprogramm – leider im Augenblick durch Corona ausgebremst. Es wird allerdings virtuell schon eifrig für das Sommerprogramm geprobt. Im Juni soll die Premiere vom »Froschkönig« über die Bühne gehen. Das Festspielgelände gehört der Stadt Frankfurt, weil sie vom letzten »Holzhausen« als Erben eingesetzt wurde. Das Herrichten des Platzes für den Festivalbetrieb wäre eine weitere Geschichte.
Ursächlich für den großen Erfolg und die aktive Teilnahme der überwiegend jungen Akteure ist, dass die verdienten Mitglieder nur noch im Hintergrund dabei sind und fast alle Vorstandsposten von jüngeren Aktiven verantwortet werden. Das könnte ein Rezept für viele andere Vereine sein, die an Nachwuchsmangel leiden.

Neben dem selbständigen Reichsdorf Holzhausen lag bis 1241 eine »Zoll«-Burg an der alten Weinstraße (Wein von Waan = hessisch für Wagen). Nach dem Tod des letzten Zentgrafen Heinrich von Erlenbach zog seine Familie nach Frankfurt als »derer von Holzhausen«. Vertreter der Familie waren später an entscheidenden Positionen in Frankfurt und sind an vielen Stellen heute noch sichtbar (z. B. Holzhausenschlösschen).

1939 wurde der Ortsname um den Zusatz »Burg« ergänzt. In dieser Zeit gab es noch keine Postleitzahlen aber viele Holzhausen.

Herzlichen Dank für viele Tipps und Unterstützung an
· Jan Tore Ohlsen, Ottmar Kunkel, Manfred Fels (Burgspielschar)
· Marianne Peilstöcker (Historikerin und Verfasserin vieler Schriften zu Burgholzhausen)
· Dr. Detlef Bauer (ev. Kirche und Altes Rathaus)

1. Graffiti-Festival | Bad Vilbel

Für Viele werden Graffitis als Sachbeschädigung und Schmierereien abgelehnt, gelegentlich zurecht. Bad Vilbel hat sich früh entschieden, ambitionierten Graffiti-Künstlern Freiräume anzubieten und damit wahllose und illegale Machwerke an Hauswänden einzudämmen. Außerdem werden Workshops für Anfänger angeboten und regelmäßig Aufträge zur Gestaltung des öffentlichen Raums vergeben. Seit 2008 gibt es sogar eine eigene Website und aktueller bei Instagram.

Zum geplanten Hessentag 2020 sollte diese Kunstform einen besonderen Rahmen erhalten. Leider musste dieses große Ereignis abgesagt werden. Das 1. Graffiti-Festival mit dem Motto »Wall Story Town Bad Vilbel« wurde im Spätsommer trotzdem realisiert. Vielleicht gibt es beim Hessentag 2025 ein 2. Festival.

Unter Koordination des Künstlers CASE Maclaim haben sieben internationale Graffiti-Künstler Werke geschaffen, die Geschichten erzählen, angeregt durch den jeweiligen Ort, z. B. »Fernweh« am Südbahnhof bzw. »Rush Hour« am Bahnhof Dortelweil.

CASE ist in Bad Vilbel durch seine vielen Werke bekannt – z. B. durch das große Elefantenbild von 2018 in der Frankfurter Straße. Er betreibt seine Kunst seit seiner Jugend und seit ca. 20 Jahren professionell. Ausgehend von seiner Heimatstadt Frankfurt wird er weltweit eingeladen, seine Kunst zu präsentieren – bis nach Australien, Bali, …

Die Kunstwerke des Festivals können gut bei einem Spaziergang besichtigt werden, von Dortelweil bis in die Mitte der Kernstadt  – auch bei den Beschränkungen durch Corona. Dabei gibt es weitere spannende Motive zu entdecken.
Auf dem Plan in der Gallerie können die Objekte mit ihren Ziffern gefunden werden.

Vielen Dank an Günter Bodirsky für seine Bilder.

 

Frauenfriedenskirche Ffm | nationales Symbol für Frieden

Fast jeder Einheimische kennt den Frankfurter »Kaiser-Dom« St. Bartholomäus. Die Frauenfriedenskirche bekommt deutlich weniger Aufmerksamkeit, obwohl sie architektonisch und symbolisch eine besondere Rolle im Kirchenbau des 20. Jahrhunderts spielt. Der Katholische Deutsche Frauenbund hat nach den traumatischen Erfahrungen des ersten Weltkriegs unter Leitung von Hedwig Dransfeld  bundesweit zu Spenden für den Bau einer Gedächtniskirche für die Opfer dieses grausamen und sinnlosen Kriegs aufgerufen. Trotz der wirtschaftlich sehr schwierigen Lage kam eine bemerkenswerte Summe zusammen, die allerdings durch Inflation und Währungsreform vernichtet wurde. Nach einem erneuten Spendenaufruf von Maria Heßberger konnte die Kirche von Hans Herkommer gebaut und am 5. Mai 1929 eingeweiht werden.

Die Frauenfriedenskirche ist eine der ersten Kirchenbauten der Moderne, die u. a. neue liturgische Formen abbildete und den Baustoff Beton mit seinen neuen Möglichkeiten nutzte. Die folgenden Bilder geben nur einen unvollständigen Eindruck von der Atmosphäre dieser bemerkenswerten Kirche wieder. Weitere Infos bei Wikipedia.

 

 

Nidda + Geiß + Bad Salzhausen

Corona motiviert mich, Schätzchen auf meiner Festplatte zu suchen. Die folgenden Fotos sind aus den Jahren 2009 und 2015.
Nidda bietet mit seinen Stadtteilen noch viel mehr.

Nidda liegt ca. 60 km nördlich-östlich von Frankfurt. Nach eine Fahrzeit von etwa einer Stunde kann der Spaziergang beginnen.
Foto-Fundstücke nehme ich gerne an und würde sie hier publizieren.

Weitere Fotos aus den Stadtteilen Geiß und Bad Salzhausen:

Wächtersbach | ächt vielfältig

»ächt vielfältig« ist das Werbemotto des Stadtmarketing. Vielseitig stimmt wirklich: Geschichte hautnah erleben, Gegenwart im Wandel z. B. Umbau des Historischen Stadtkerns, von den gemütlichen Ecken der Altstadt bis zum dynamischen Motocross-Sport auf der »schönsten Bahn Deutschlands« (u. a. Leisenwalder Heiratsmarkt, Wächtersbacher Messe, Hindernislauf »Strong Viking«, Motocross-Wettbewerbe, viele Kulturprogramme) konnten wegen Corona dieses Jahr nicht stattfinden. Hoffen wir auf 2021.

Ein Highlight ist natürlich das Ysenburger Schloss. Leider konnten wir nur außen fotografieren. Mit diesem Link geht es zur Website des renovierten Schlosses mit Fotos und Videos. Der Schlosspark wird wohl demnächst restauriert.

Spannend sind auch die Stadtteile, die bis ca. 1970 selbständige Gemeinden waren, mit eigener Geschichte und eigenem Charakter. Einige liegen wie die Kernstadt auf dem Niveau von Kinzig und Pracht, andere oben auf der »Platte«. Dazwischen offene Landschaften, teilweise verziert mit einer großen Zahl an Windrädern. Es klingt vielleicht seltsam: sie wirken für mich nicht störend sondern eher bereichernd – aus der Ferne.

Weiter führende Links:

Heimat- und Geschichtsverein Wächtersbach
Kleinkunstkreis »Märzwind«
MSC Aufenau (Motorsportclub)
Landgasthof »Zur Quelle«

Inhalt:

Fotogalerie 1: Wächtersbach Altstadt
Fotogalerie 2: ausgewählte Stadtteile

 

 

 

 

 

Schirn | Iranische Kunst | komplex und unbeschreiblich

Die Krisen der Welt werden von den iranischen Künstlern Ramin Haerizadeh, Rokni Haerizadeh und Hesam Rahmanian in diesem Gesamtkunstwerk thematisiert. Dabei werden sie stark von ihren eigenen unmittelbaren Erfahrungen getrieben. Die Ausstellung ist ein komplexes Kunstwerk verschiedener Medien: Performance, Malerei, Collage, Zeichnung, Videos und Texte,  entstanden als »Work in Progress«. Wobei die Drei viele andere Künstler einbeziehen. Es herrscht kulturelle Vielfalt des Orients, verbunden mit westlicher Popkultur. Manches erschließt sich nur, wenn man Hintergründe kennt. Der gut gemachte Katalog gibt zwar erste Eindrücke. Begreifen setzt intensive Beschäftigung in der Ausstellung voraus – ideal in Verbindung mit einer Führung.

Der Titel der Ausstellung »Either he’s dead, or my watch has stopped« ist ein Zitat von Groucho Marx aus dem Film Marx-Brothers. Es kann als roter Faden der Ausstellung verstanden werden.

Grundlage des Kunstwerks ist das raumfüllende Gemälde »O you People« das in Dubai, ihrem derzeitigen Wohnort, »gemalt« wurde. Mit fantastischen Malmaschinen wurden kreiselnde Strudel als Grundstruktur aufgetragen, die in einem folgenden Prozess mit Einzelthemen ergänzt wurden. Dieses große Bild darf betreten und erforscht werden. Es nimmt weitere Objekte auf.